In Siede- und Druckwasserreaktoren
kann von den in der Natur vorhandenen Uranisotopen nur das
Uran-235 gespalten werden. Es ist im natürlichen Uran mit
0,7% enthalten und in den Brennelementen auf bis zu 4,5% angereichert.
Das Uran-238 ist in diesen Reaktortypen als Spaltstoff nicht zu
verwenden.
Der Kern des Uran-238 kann aber ein Neutron aufnehmen und sich
in mehreren Stufen zu
Plutonium-239 umwandeln. Dies wird am effektivsten durch schnelle
Neutronen gespalten und ist deshalb als Spaltstoff in Reaktoren
geeignet, in denen Neutronen nicht moderiert (abgebremst) werden,
so z.B. im Schnellen Brüter.
In Schnellen Brutreaktoren werden beide Vorgänge gezielt
herbeigeführt.
Brutreaktion
von U-238 zu Pu-239 durch Einfang eines schnellen Neutrons
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Der
U-238-Kern nimmt das Neutron auf und erhöht dadurch seine
Massenzahl um 1 auf U-239. Dieses Uranisotop hat eine sehr kurze
Halbwertszeit und zerfällt in zwei Schritten jeweils unter
Abgabe eines negativ geladenen Elektrons zu Neptunium und schließlich
zu Plutonium (die Namensgebung rührt übrigens von der
Reihenfolge der Planeten Uranus, Neptun und Pluto in unserem Sonnensystem
her). Die Elektronenabgabe als Strahlung bezeichnet man auch als
Betastrahlung (siehe dazu www.betastrahlung.de).
Der Betazerfall führt zu einer Erhöhung der Kernladungszahl
von 92 (Uran) über 93 (Neptunium) zu 94 (Plutonium), die
Massenzahl bleibt dabei erhalten. Spaltbares Plutonium Pu-239
ist entstanden. Als Gleichung stellt sich der Brutvorgang wie
folgt dar:
U-238
+ n => U-239 => ß-Zerfall => Np-239 => ß-Zerfall
=> Pu-239.
Das
Plutonium Pu-239 zerfällt übrigens mit einer Halbwertszeit
von 24110 Jahren unter Aussendung von Alpha-Teilchen (Heliumkerne,
siehe dazu www.alphastrahlung.de)
zu Uran U-235.
Der
Brüter kann also die 99,3 % des Natururans, die aus bisher nicht
spaltbarem U-238 bestehen noch nutzbar machen. Es wird im Reaktor
in Plutonium-239 umgewandelt und so mehr Spaltmaterial erzeugt,
als verbraucht wird. Zur Herstellung der Brenn- und Brutelemente
eines schnellen Brüters ist der schwierige und teils auch
sehr energieaufwändige Vorgang der Urananreicherung nicht erforderlich.
Kernspaltungen
müssen aber weiterhin durchgeführt werden, um die zum Erbrüten
notwendigen Neutronen zu erzeugen. So findet man im Brüterkern
eine Spaltzone im Inneren und eine Brutzone am Rande des Kerns.
Durch geschicktes Bestücken des Reaktors mit den Brut- und Brennelementen
kann eine Brutrate, also das Verhältnis von erzeugtem zu verbrauchtem
Spaltmaterial erreicht werden, die größer eins ist. Gebräuchlich
sind in der Spaltzone Mischoxid-Brennelemente aus 20 % PuO2 und
80 % Natururan oder abgereichertem Uran (dieses bleibt als Reststoff
bei der Urananreicherung für die Leichtwasserreaktoren übrig und
ist bisher ungenutzt) und reines Natururan oder abgereichertes
Uran in der Brutzone.
Das
in der Brutzone erzeugte Plutonium wird in Wiederaufbereitungsanlagen
aus den Brutelementen herausgelöst, kann erneut mit Uran vermengt
werden und sind Leichtwasserreaktoren oder der Spaltzone des Brüters
als Spaltmaterial eingesetzt werden.
Dies
führt dazu, daß die Uranvorräte der Welt um den Faktor 60 x 60
x 60 besser ausgenutzt werden können:
Auch
thermodynamisch besitzt die Bauweise des Brüters deutliche Vorteile
gegenüber Leichtwasserreaktoren. Das flüssige Natrium hat einen
deutlich erhöhten Wärmeübergang von den Brennelementen zum Kühlmittel
und auf der anderen Seite innerhalb der Wärmetauscher, so daß
deutlich größere Wärmemengen aus den Brennelementen abgeführt
werden können. Bei ähnlichen Brennstabinnentemperaturen von etwa
1500 °C wird im Leichtwasserreaktor lediglich die Kühlmitteltemperatur
von 291 °C auf 326 °C (Daten für die deutschen Konvoi-Druckwasser-Reaktoren
Isar 2, Emsland und Neckar 2) erhöht, durch bessere Wärmeabgabe
an das Kühlmittel Natrium ist im Schnellen Brüter eine Temperaturerhöhung
von 395 °C auf 545 °C möglich, ohne dabei die Brennstäbe zu schädigen.
Dies schlägt sich auf der Dampfseite der Anlage sehr positiv nieder.
Der
im Dampferzeuger produzierte Dampf hat dann (bedingt durch die
Umwandlungsverluste) beim Leichtwasserreaktor gerade mal noch
280 °C, dafür beim Schnellen Brüter bereits 480 °C. Die deutlich
erhöhte Temperaturdifferenz, die an der Turbine abgebaut und in
Strom umgewandelt werden kann ist entsprechend größer und der
Wirkungsgrad steigt deutlich.
Weiter
verbessert werden kann der Turbinenwirkungsgrad durch noch höhere
Turbineneintrittstemperaturen die in Kohlekraftwerken längst üblich
sind. Hier werden Werte von 550 °C bei betriebenen bis über 600
°C bei geplanten Anlagen erreicht. Solche Temperaturen können
im Bereich der nuklearen Energieerzeugung leicht mit Hilfe des
Hochtemperaturreaktores (www.hochtemperaturreaktor.de)
erzielt werden.
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