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Rückführung radioaktiver Abfälle nach Belgien

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Rücktransport von verglastem Abfall aus
Frankreich nach Belgien

Anfang April 2000 wurde eine erste Ladung verglasten, hochradioaktiven Abfalls von Frankreich nach Belgien transportiert – der erste in einer Reihe von Transporten, die in den nächsten Jahren durchgeführt werdensollen. Hintergrundinformationen dazu werden hier in Frage- und Antwortform gegeben.

1. Was wird transportiert?

2. Was ist Verglasung?

3. Was ist Wiederaufarbeitung?

4. Woher stammt der Abfall?

5. Wer hat die Transporte genehmigt?

6. Wie viele Transporte wird es geben?

7. Warum sind diese Transporte notwendig?

8. Welche Vorbereitungen wurden getroffen?

9. Wie ist der verglaste Abfall verpackt?

10. Wie werden die Behälter transportiert?

11. Welche Sicherheitsstandards gelten für die Behälter?

12. Welche Route wird gewählt werden?

13. Wie sicher sind solche Transporte?

14. Wie gebräuchlich sind sie?

15. Wie wird der verglaste Abfall gelagert werden?

16. Wird diese Lagerung sicher sein?

17. Wie sieht das Konzept der Endlagerung in Belgien aus?

1. Was wird transportiert?

Bei dem Material, von Frankreich nach Belgien transportierten Material, handelt es sich um hochradioaktiven Abfall. Dieser Abfall entstammt den abgebrannten Brennstoffen aus Belgien, die in Frankreich wiederaufgearbeitet wurden. Diese restlichen, nicht weiter zu verwendenden Anteile des Brennstoffs wurden nach der Wiederaufarbeitung von einem Prozeß unterzogen und in Glas eingeschmolzen. Die beiden anderen Typen radioaktiver Abfälle (die nicht von diesen Transporten betroffen sind) sind: mittelradioaktive Abfälle, wie Reaktorkomponenten, die vor der Entsorgung umwandelt werden müssen; und schwachradioaktiver Abfälle, die aus Kernkraftanlagen, Krankenhäusern, Laboratorien und industriellen Anlagen stammen, deren Handhabung zwar nicht gefährlich ist, die jedoch in speziellen Endlagern deponiert werden müssen.

2. Was ist Verglasung?

Der flüssige hochaktive Abfall, der nach der Wiederaufarbeitung anfällt, wird in ein Pulver verwandelt, das mit glasbildenden Materialien versetzt und dann zu Glas verschmolzen wird. Dieses Glas wird in nichtrostende Stahlbehälter gegossen und dann verschweißt. Durch dieses Verfahren wird der Abfall immobilisiert und in eine feste Form gebracht, die für die langfristige Zwischen- und Endlagerung geeignet ist, da Glas resistent gegen Wasser und Korrosion ist und z.B. eine Auslaugung nicht stattfinden kann.

3. Was ist Wiederaufarbeitung?

Bei der Wiederaufarbeitung werden von abgebranntem nuklearen Brennstoff noch enthaltenes Uran und Plutonium extrahiert und abgetrennt. Es kann dann zur Herstellung frischen Brennstoffs genutzt werden, wie zum Beispiel Mischoxid-Brennstoff (MOX). 96 % des produzierten Materials besteht aus Uran, 1 % ist Plutonium. Nur 3 % des hochradidoaktiven Abfalls können nicht wieder genutzt werden. Das Ergebnis der Wiederaufarbeitung besteht in einer Abfallreduzierung und erlaubt das Recycling einer nützlichen Energiequelle.

4. Woher stammt der Abfall?

In diesem speziellen Fall ist der Abfall übriggeblieben, nachdem abgebrannter Brennstoff aus Belgien in der Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague behandelt worden ist. La Hague wird von der französischen Gesellschaft für nukleare Brennstoffe, Cogema, betrieben und liegt im Nordwesten Frankreichs.

5. Wer hat die Transporte genehmigt?

Die belgischen Behörden haben Anfang dieses Jahres beschlossen, die Rücksendung von verglastem Abfall in ein zu diesem Zweck gebautes Zwischenlager, das von Belgoprocess in Dessel, in der Nähe von Antwerpen betrieben wird, zu genehmigen. Belgoprocess ist eine Tochterfirma von ONDRAF, der belgischen nationalen Organisation für die Behandlung von radioaktiven Abfällen.

6. Wie viele Transporte wird es geben?

Insgesamt 15 Transporte von verglastem Abfall sollen in den nächsten Jahren Zwischen Frankreich und Belgien durchgeführt werden.

7. Warum sind diese Transporte notwendig?

Nach den Bedingungen langfristiger Verträge zwischen Cogema und Synatom – der belgischen Gesellschaft, die für die Brennstofflieferungen der beiden belgischen Kernkraftwerke, Doel und Tihange, zuständig ist – sind sie vorgeschrieben. Die sieben Reaktorblöcke erzeugen ungefähr 60 % des belgischen Stroms. Synatom ist eine Tochter der beiden großen Energiekonzerne Belgiens, Electrabel und Tractebel. Die Verträge zwischen Synatom und Cogema zur Wiederaufarbeitung entsprechen durchgängig den aufeinanderfolgenden Weisungen belgischen Behörden. Nach französischem Gesetz ist Frankreich verpflichtet, den Abfall wieder in das Ursprungsland zurückzuschicken. Abfall aus dem Ausland darf nur für eine gewisse Zeit gelagert werden.

8. Welche Vorbereitungen wurden getroffen?

In La Hague wurden in Anwesenheit von Vertretern der drei belgischen Organisationen, Belgoprocess, ONDRAF und Synatom, sorgfältige Vorbereitungen für den Transport getroffen. Außerdem wurde ein "Testlauf" nach Belgien durchgeführt, bei dem ein Modell-Transportbehälter eingesetzt wurde.

9. Wie ist der verglaste Abfall verpackt?

In rostfreien zylindrischen Stahlbehältern (1,34 m hoch, Durchmesser 43 cm), die durch Verschweißen hermetisch verschlossen werden. Jeder entspricht der Wiederaufarbeitung von 1,5 Tonnen verbrauchtem Brennstoff. Während der Zeit im Reaktor erzeugt diese Menge Brennstoff 350 Millionen kWh Strom. Dies ist ausreichend, um den Bedarf von 100.000 Haushalten während eines ganzen Jahres zu decken.

10. Wie werden die Behälter transportiert?

In großen Containern, die speziell für diese Art von Transporten ausgelegt sind. Die Container haben jeder ein Leergewicht von 98 Tonnen, und sie sind so entworfen und gebaut, daß sie verschiedenen Arten ernsthafter Einflüsse, extremer Hitze und Eindringen von Wasser in einer Tiefe von 15 m acht Stunden lang widerstehen. Der Körper des Behälters besteht hauptsächlich aus geschmiedetem Stahl, der Deckel aus rostfreiem Stahl. Jeder Behälter kann bis zu 28 Kanister mit verglastem Abfall aufnehmen.

11. Welche Sicherheitsstandards gelten für die Behälter?

Sie müssen den strengen Sicherheitsstandards entsprechen, die in den Vorschriften der Internationalen Atomenergieorganisation, IAEO, mit Sitz in Wien, festgelegt sind. Der Transport von radioaktiven Materialien wird in Übereinstimmung mit nationalen Regeln, die auf diesen international anerkannten Vorschriften basieren, durchgeführt.

12. Welche Route wird gewählt werden?

Die Hauptstrecke sieht wie folgt aus: auf der Straße von La Hague in Frankreich zum Eisenbahnterminal in Valognes, ungefähr 40 km entfernt von der Anlage der Cogema. Von dort geht der Transport auf der Schiene in speziellen Waggons nach Mol in der belgischen Provinz Antwerpen. Von Mol aus werden die Behälter auf der Straße zu dem fünf Kilometer entfernten Zwischenlager in Dessel transportiert.

13. Wie sicher sind solche Transporte?

Radioaktive Materialien verschiedenster Art sind seit dem Beginn des nuklearen Zeitalters vor ca. 40 Jahren rund um die Erde verschifft worden. In dieser Zeit hat es nie einen Vorfall gegeben, der eine bedeutsame Freisetzung von Radioaktivität mit sich gebracht hätte. Auch hat es nie Auswirkungen für die öffentliche Gesundheit oder die Umwelt gegeben.

14. Wie gebräuchlich sind sie?

Die Transporte von verglasten Abfällen von Frankreich nach Belgien sind die ersten ihrer Art für Belgien, aber es gibt ähnliche Abfalltransporte per Schiff von Europa nach Japan. Sowohl frischer nuklearer Brennstoff als auch verbrauchter werden regelmäßig transportiert. In den letzten 40 Jahren sind ungefähr 30.000 Tonnen verbrauchter Brennstoffe über Entfernungen von insgesamt 25 Millionen Kilometern transportiert worden – auf der Straße, auf der Schiene und per Schiff. Außerdem gibt es Millionen von Transporten auf der ganzen Erde, die radioaktive Materialien für medizinische, industrielle und Forschungszwecke beinhalten.

15. Wie wird der verglaste Abfall gelagert werden?

Am Standort von Belgoprocess werden die Transportbehälter entladen und der Inhalt in die Zwischenlager gestellt, wo sie ungefähr 50 Jahre lang verbleiben werden.

16. Wird diese Lagerung sicher sein?

Seit mehr als zehn Jahren ist die Anlage von Belgoprocess in der Lage, derartiges Material vollständig sicher zu lagern. Zwischenlagerung bedeutet, daß der verglaste Abfall sicher und langfristig von Mensch und Umwelt isoliert wird, bis ein Endlager zur Verfügung steht. Zu Beginn wird pro Kanister verglasten Abfalls eine maximale Wärme von 2 kW abgegeben. Das entspricht in etwa einem elektrischen Heizgerät. Die Wärmemenge nimmt mit der Zeit ab. Das belgische Lager verfügt über spezielle Ventilations- und Wärmetauschersysteme. Die "Lagerzellen" sind auf ihre Widerstandsfähigkeit unter extremen Bedingungen, wie Erdbeben, Explosionen in kurzer Entfernung und Flugzeugabstürze getestet worden.

17. Wie sieht das Konzept der Endlagerung in Belgien aus?

Letztendlich soll der verglaste Abfall in einem tiefen unterirdischen Lager entsorgt werden, wobei eine Kombination von natürlichen und künstlichen Barrieren genutzt werden soll, um das Material von der Biosphäre zu isolieren. Zusammen mit anderen Ländern entwickelt Belgien diese Option für die Entsorgung von hochradidoaktiven Abfällen und abgebranntem Brennstoff. Die Konditionierung und direkte Entsorgung von abgebrannten Brennstoffen stellt einen anderen Weg dar, der als Alternative gewählt werden kann.